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| Liezen Mayer: Porträt von Fürstprimas János Simor, 1886 |
Das Christliche Museum gründet auf der Privatsammlung von Fürstprimas János Simor, Erzbischof von Esztergom (1813-1891), die dieser anlegte, um die Kunst älterer und neuerer Epochen als Zeugen der Geschichte zu vermitteln und auf diesem Wege den ästhetischen Blick der Besucher zu schulen. Der Erzbischof erwarb die Objekte vor allem aus Nachlässen und auf Auslandsreisen, auf dem Gebiet der Erzdiözese sammelte er auch Fragmente mittelalterlicher, nicht mehr benutzter Altäre. Die infolge dieser wissenschaftlichen Sammelarbeit zusammengestellte Kollektion machte der Primas am 12. Oktober 1875 dem kunstinteressierten Publikum zugänglich. Seine Sammlung wurde damit zum dritten öffentlichen Museum des Landes. In dieser ersten, im oberen Stockwerk der Dombibliothek untergebrachten Ausstellung befanden sich zunächst 206 Gemälde, vor allem Bilder aus dem Spätmittelalter und dem 19. Jahrhundert. Im Laufe der folgenden Jahre erweiterte der Erzbischof seine Sammlung beträchtlich. Den wichtigsten Ankauf stellte dabei die 1878 in Rom erworbene Bertinelli-Sammlung dar, die das Museum um 60 – größtenteils italienische – Renaissancegemälde bereicherte. Ein weiterer bedeutender Erwerb war der Kauf der Holzskulpturen und kunstgewerblichen Objekte aus der Schnütgen-Sammlung in Köln im Jahre 1884. Die wachsende Sammlung wurde nach 1882 ins 2. Stockwerk des neugestalteten Primaspalais am Donauufer verlegt, wo sie sich noch heute befindet. Von der Gemäldegalerie erstellte Ferenc Maszlaghy, der erste Kustos der Sammlung, 1878 einen Katalog, den er dann 1891 mit den Neuerwerbungen erweiterte. 1887 sicherte János Simor die Zukunft dieser bereits damals schon außerordentlich reichen und wertvollen Sammlung auch rechtlich und unterstellte sie dem Kapitel der Kathedrale von Esztergom. Bei dieser Gelegenheit gab er seiner Sammlung den Namen Christliches Museum.
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| Gyula Benczúr: Porträt von Bischof Arnold Ipolyi (Budapest, Ungarische Nationalgalerie) |
Nach dem Tode von Primas Simor im Jahre 1891 erfuhr das Museum erst nach dem 1. Weltkrieg eine Bereicherung bedeutenderen Ausmaßes. Der Bischof von Großwardein Arnold Ipolyi (1823-1886) verfügte in seinem Testament, daß seine außerordentlich bedeutsame, vor allem aus spätmittelalterlichen italienischen, deutschen, österreichischen und ungarischen Gemälden und Skulpturen bestehende Sammlung in das Museum in Esztergom gebracht werden solle. Dazu kam es aber erst nach dem 1. Weltkrieg (1926). Fast gleichzeitig mit dem Erwerb des Ipolyi-Nachlasses wurde das Museum auch noch um eine andere Sammlung ebenfalls herrschaftlicher Herkunft, aber ganz anderen Charakters, nämlich um den vor allem aus kunstgewerblichen Objekten und Gemälden bestehenden Nachlaß des Herzogs San Marco, bereichert (1925). Seither wächst die Sammlung durch Einzelkäufe und Schenkungen.
Über die gesamte Sammlung des Museums erschien 1948 ein von István Genthon zusammengestellter Katalog. Um die Mitte der fünfziger Jahre wurde mit der Katalogisierung mittels moderner museologischer Methoden, einer Neukonzeption und -installation der Ausstellung, sowie einer Publikation der wissenschaftlichen Ergebnisse begonnen. Nach vier Jahre dauernden Renovierungsarbeiten öffneten 1973 die Räumlichkeiten der gegenwärtigen ständigen Ausstellung wieder ihre Pforten.